Harter Weg auf die große Bühne

Fast fällt den Gästen im Bensberger Café Kroppenberg der Kuchen von der Gabel. Mit voller Wucht, akzentuiert, in harten Tönen lässt Ulrike Hallas beim Pressegespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ einen Musical-Song erklingen. Und dann schaltet sie um, singt sanft die ersten Verse eines Schubert-Liedes. Die Gäste strahlen, sind glücklich über diese kleine Lektion in Sachen Gesangstechnik, die die 25-Jährige überaus charmant und überzeugend vermittelt hat. „Im Musical singt man ’belt’ – mit stählernen Tönen, hartem Ansatz, aus dem vollen Volumen heraus“, erklärt die Studentin aus Bensberg, die gerade aus Wien eingeflogen ist, um die Mutter und die alten Freunde zu besuchen.

 

In Bensberg ist sie aufgewachsen, hat am Albert-Magnus-Gymnasium ihr Abitur gemacht und dann erst einmal einen „Brotberuf“ als Kauffrau für Bürokommunikation erlernt. Doch dann zog es sie auf die Bühne. Zuerst studierte sie in Osnabrück das Fach Musical mit Schwerpunkt Vokalpädagogik. Im Jahr 2011 klappte es mit der Bewerbung am Wiener Konservatorium in der Johannesgasse: Sie wurde angenommen für das achtsemestrige Studium Musikalisches Unterhaltungstheater.

 

„Wir studieren alles – vom Sprechen, Singen, Schauspiel, Tanzen, von Jazz bis Klassik bis zum Improvisieren, Notentheorie und Musikgeschichte“, berichtet sie vom Studium in der Kaiserstadt. Das bedeutet: 50 Wochenstunden und zu Hause weiter üben – ein großes Pensum absolviert sie in dem vierjährigen Studiengang. Ausschweifende Feten sind da nicht drin – der Körper braucht viel Schlaf für die Erholung, sonst ist man schnell ausgepowert. Und überhaupt bedeutet das Fach Schwerstarbeit: Die Körpermuskulatur muss genau ausgebildet werden für die besonderen Erfordernisse beim gleichzeitigen Singen und Tanzen.

Noch ist Ulrike Hallas kein Star in der Musical-Szene, aber die ersten Erfolge sind deutlich sichtbar: Im vorigen Jahr gewann sie beim Wettbewerb „Jugend kulturell“ in der Sparte Musical den Jury-Preis und den Publikums-Preis. Beim Bundeswettbewerb Gesang qualifizierte sie sich 2013 über mehrere Runden. „An Wettbewerben muss man unbedingt immer wieder teilnehmen – da sitzen die Regisseure. Doch bei diesem Wettbewerb war ich noch als Küken dabei“, sagt sie abwägend über den ansehnlichen Erfolg im zweiten Studienjahr.

 

Am heutigen Samstag, 25. Januar, steht sie vor einer besonderen Herausforderung: Im Theater des Konservatoriums, dem ehemaligen Leonie-Rysanik-Saal, steht sie bei der österreichischen Erstaufführung des Musicals „The Drowsy Chaperone oder Vier Hochzeiten und ein Musical“ von Lisa Lambrecht und Greg Morrison als dummes Blondchen auf der Bühne. „Eine liebenswerte Person, aber hohl in der Birne“, sagt die dunkelhaarige Ulrike Hallas, die sich mit blonder Perücke und quäkiger Stimme in der Slapstick-Komödie aus den 30-er Jahren behaupten wird. Davon ist sie überzeugt. Weil sie weiß, wie sie ihr Publikum von sich einnimmt: „Jede Aufführung ist anders, braucht andere Energien. Das Publikum gestaltet den Abend – wenn du darauf nicht reagierst, verreckst du da oben auf der Bühne.“ Aber wenn es gut laufe, trage es einen wie auf einer Welle. Prompt schlüpft sie in die Rolle des Dummchens, nimmt die neugierig zuschauenden Gäste im Bensberger Café ein mit ihrer Komik. Sie genießt es, in ihrer Heimatstadt im Rheinland zu sein. Nach dem anfänglichen Wiener Schmäh schwenkt sie sofort über in den heimischen Tonfall: „Wo ich bin, nehme ich den Sprachrhyhtmus auf – komme ich nach Hause, rede ich sofort Kölsch und auch nicht mehr bühnendeutsch – ich bin ein kölsch’ Mädche mit dem Hätz op d’r Zung.“ Das gefällt ihr, aber auch das etwas verstaubte Wien, wo die Uhren langsamer ticken als im Rheinland: „Weniger Stress und Hast, alles ist besinnlicher.“

Schon während des Studiums laufen die ersten Auftritte und Bewerbungen: Jedes Wochenende woanders auf den sogenannten „Audi-Tours“ in kleinen Theatern, in Kindergärten, Krankenhäusern, Firmen und Altenheimen. Damit verdient sie sich neben dem Bafög ein wenig dazu, außerdem hat sie noch einen Job in den alten Wiener Theatern als „Billeteurin“, so nennt man die Platzanweiser/-innen und Feuerwächter dort.

 

Ihr größter Traum ist ein Engagement bei den Vereinigten Bühnen in Wien. „Das ist der größte Arbeitgeber für Musical-Produktionen in Österreich“, sagt sie mit leuchtenden Augen. „Da möchte ich hin.“ Sie ist sich natürlich bewusst, dass das Bühnenleben hart wird. „Man muss bereit sein, aus dem Koffer zu leben. Produktionen, bei denen man zwei, drei Jahre lang an einem Ort spielt, gibt es nicht mehr. “

 

So ging es mit „Les Misérables“, jenem Musical, das in Duisburg ein paar Jahre lief. Dort wurde sie als Kind vom Theatervirus angesteckt, als sie mit den Eltern eine Vorstellung besuchte. Gesungen habe sie schon als kleines Kind, erinnert sie sich. Schon vor dem Abitur hat sie bei der Jazzsängerin Angelika Görs in Köln Porz Unterricht genommen, in Bensberg bei Sandra Peldszus mit Ballett angefangen, später konkret Ballett-, Jazzdance- und Schauspielunterricht für die Aufnahmeprüfungen an den Universitäten genommen.

 

„Es reizt mich, in der Sparte Musical zu arbeiten – man ist ein Allrounder“, sagt sie über die Herausforderung, alles zu können und sich genau einzuschätzen. „Du kannst nur jemand anders spielen, wenn du dich selbst kennst.“

 

Und wenn sie kein Musical-Star wird? Ulrike Hallas mit dem ähnlichen Namen wie die Callas, ist da ganz gelassen. Das Studium sei so breit aufgestellt, dass sie auch als Synchronsprecherin, als Moderatorin und als Sprachpädagogin arbeiten könne. Kein Zweifel, die Zukunft gehört ihr.

 

Ulrike Hallas aus Bensberg: Harter Weg auf die große Bühne | Bergisch Gladbach - Kölner Stadt-Anzeiger - 24.01. 2014


Jugend kulturell Förderpreis 2013 "Musical" der HypoVereinsbank

Showdown in Stuttgart: Ulrike Hallas räumt Jury- und Publikumspreis ab

 

Tödliche Schüsse, gewetzte Messer und klickende Handschellen – um die letzten Finalplätze wurde mit harten Bandagen gekämpft. In Stuttgart entschied sich, wer bei der dritten und letzten Vorentscheidung im Wettbewerb um den Jugend kulturell Förderpreis 2013 „Musical“ der HypoVereinsbank seine direkte Fahrkarte ins Finale lösen konnte.

 

 

Zum dritten Mal in Folge entschieden sich Jury und Publikum für die selbe Person: Ulrike Hallas aus Wien räumte beide Preise ab und zieht damit nicht nur ins Finale ein, sondern kann sich auch jetzt schon über 2.000 Euro Preisgeld freuen. Juror Felix Martin gratulierte gemeinsam mit Jürgen Danzmayr, Mitglied des Vorstands der HypoVereinsbank, der Siegerin auf der Bühne und lobte alle Stuttgarter Vorentscheidungsteilnehmer gleichermaßen: „Dieses Mal ist uns die Entscheidung wirklich sehr schwer gefallen. Erfreulicherweise haben alle Darstellerinnen und Darsteller heute ein facettenreiches Bühnenprogramm auf sehr hohem Niveau gezeigt. Entsprechend intensiv mussten wir diskutieren.“

Die sechs glücklichen Musicaltalente, die die Jury in der vorangegangenen Qualifizierungsrunde aus rund 200 Bewerbern ausgewählt hatte, Anna Preckeler (Folkwang Universität der Künste Essen), Peter Schmid (Bayerische Theaterakademie August Everding), Ulrike Hallas (Konservatorium Wien), Richard-Salvador Wolff (Folkwang Universität der Künste Essen), Veronika Hörmann (Bayerische Theaterakademie August Everding) und Julian Culemann (Folkwang Universität der Künste Essen) zeigten sich von ihrer besten Seite. Für ein stimmungsvolles Rahmenprogramm sorgte ein Musicalensemble der Hamburg School of Entertainment.

Die Nase vorn hatte am Ende die 25-jährige Ulrike Hallas. Die Wahl-Wienerin punktete mit starker Persönlichkeit und Bühnenpräsenz. „Sie hat mit ihrer unverwechselbaren Art das ganze Publikum in ihren Bann gezogen, der Funke ist sofort übergesprungen“, so das Fazit der Jury. Mit einem temporeichen Programm bestehend aus Musical-Klassikern wie „Don’t Rain On My Parade“ (aus Funny Girl) bis hin zu brandneuen Musical-Songs wie „In Short“ (aus Edges) brachte Ulrike Hallas auch die Zuschauermehrheit dazu, ihr ihre Stimmen für den Publikumspreis zu geben. Sichtlich überwältigt nahm sie den Preis entgegen und wurde vom Publikum mit Standing-Ovations gefeiert.

 

Showdown in Stuttgart: Ulrike Hallas räumt Jury- und Publikumspreis ab | Jugend kulturell Blog - HypoVereinsbank - 15.10. 2013